Schellen-Urslis Heimat stellt sich vor

„Hoch oben in den Bergen, weit von hier" lautet die vage Ortsbeschreibung im Kinderbuch Schellen-Ursli. Und sie gilt bedingt bis heute. Guarda liegt auf einer sonnenverwöhnten Terrasse weit über dem Inn auf rund 1650 m ü. M. mitten in der Unterengadiner Bergwelt. Wie „weit von hier" das Dorf entfernt ist, hängt von der Perspektive des Betrachters ab. Denn Guarda liegt an der ehemaligen Hauptverkehrsachse zwischen München und Mailand — die mittelalterliche Handelsstrasse zwischen dem Comersee und Innsbruck verlief durch das Engadin. In Guarda — einem der höchsten Punkte — übernachtete man nach dem beschwerlichen Aufstieg in einer der etwa zehn Susten und Herbergen. Mit dem Bau der neuen Strasse unten im Tal verlor Guarda 1865 den Saumverkehr als Haupteinnahmequelle. Heute ist es einfach möglich, Guarda dank Rhätischer Bahn, Ver¬einatunnel und PostAuto innert zweieinhalb bis drei Stunden von Zürich aus zu erreichen.

Für die Pflege der alten Bausubstanz und die Entwicklung des Dorfes erhielt Guarda 1975 den Wakker-Preis des Schweizer Heimatschutzes. Die Bewohner der teilweise über 400-jährigen Häuser haben die Aufgabe, die Anforderungen an zeitgemässes Wohnen mit den Anliegen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen. Die Gratwanderung zwischen Bewahren und Weiterentwickeln ist in der ganzen Region eine tägliche Herausforderung, welche Guarda beispielhaft meistert. Dieser Harmonie gilt auch das Hauptaugenmerk der Ferienregion. Zwar stehen heute Wertschöpfung aus dem Winter-, Wellness-, Wander- und Bikegeschäft sowie Events im Fokus des Tourismus, die Basis ist aber entscheidend. So setzt die verantwortliche Destinationsmanagement Organisation die Positionierung auf die unaustauschbaren Werte, die „DNA" der Destination: Jede Menge Natur in Nationalparkqualität, im Jahr 1369 entdeckte Mineralquellen als Ursprung der touristischen Entwicklung in Scuol-Tarasp und eine Kultur, die auf Naturwerten aufbaut: Die unverwechselbaren Engadiner Feriendörfer mit verwurzelten Einheimischen, eine Fülle an Traditionen und Brauchtümern, die romanisch geprägte Kultur, einheimische Produkte und vieles mehr.

Wenn lokales Handwerk, Lanawirtschaft und Tourismus mit Landschafts- und Naturschutz sowie gelebter lokaler Kultur Hand-in-Hand gehen, sind wir in der Heimat des Schellen-Ursli angekommen.

Schellen-Ursli ist ein Guardaner

Die Verfilmung der berühmten Kindergeschichte macht die Heimat des Protagonisten und mit ihr eine ganze Bergregion stolz. Selina Chönz ist im Engadin aufgewachsen und lebte zeitweise in Guarda, Alois Carigiet liess sich während seinen Aufenthalten im Terrassendorf von der Region, ihrer Natur und der Kultur für die Zeich- nungen inspirieren und somit war, ist und bleibt Schellen-Ursli ein Engadiner. Das Kinderbuch und der Film „Schellen-Ursli" mögen nicht komplett auf echten Personen basieren. Die zugrunde liegenden Geschichten und Werte sind aber real und werden hier nach wie vor gelebt und authentisch erlebbar gemacht.

Romanische Sprache und Brauchtum: Chalandamarz

Chalandamarz wird nur in wenigen, romanischsprachigen Regionen Graubündens gefeiert. Schon früh bereitet sich jedes Jahr die Schuljugend auf diesen alten Brauch vor. In der Schule werden fleissig Chalandamarz-Lieder gelernt, während es zuhause gilt „Rösas", den bunten Blumenschmuck aus Seidenpapier, zu basteln. Und natürlich muss auch noch rechtzeitig eine schöne und möglichst grosse Kuhglocke für den Umzug aufgetrieben werden. Der blaue Kittel und das rote Halstuch (meist durch eine Zündholzschachtel gezogen) komplettieren das Kostüm für den Morgen des ersten März, dem Jahresanfang im römischen Reich vor dem julianischen Kalender. Dabei zieht die ganze Schuljugend durch die Strassen und Gassen und feiert ihren „Chalandamarz". Während der Brauch ursprünglich die Jahreswende zelebrierte, kündigt er heute mit Gesang, Peitschenknall und Glockengeläut den Frühling an und damit das Ende der dunkleren, kalten Jahreszeit. Gefeiert wird Cha¬landamarz in der ganzen Region. Die Ausprägung des Brauchtums ist jedoch von Dorf zu Dorf verschieden.

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