Es Grünt so Grün

Genuss hat viel mit Geduld zu tun. Eindrucksvoll erleben kann man das, indem man in Appenzell dem Gras beim Wachsen zusieht. Oder besser: den Bio-Kräutern von Familie Dörig. Sie verfeinern Produkte, die Sie auch im SPAR in Ihrer Nachbarschaft finden.

Ab ins Beet!

Erleben Sie die Appenzeller Bio-Kräuterfelder mit atemberaubend schönem Ausblick bei einer Führung, eigener Kräuterwickel inklusive!

Zeit: Mai – September, Montag – Freitag
Dauer: 1.5 Stunden
Kosten: CHF 30.– / Person
Gruppengrösse: 5 – 25 Personen
Kontakt: appenzeller-biokraeuter@gmx.ch

Appenzeller BIO-Kräuter GmbH
Neuhüsli 17 / Eggerstanden, 9050 Appenzell

Appenzeller Alpenbitter
Weissbadstrasse 27, 9050 Appenzell

GOBA Mineralquelle und Manufaktur
Gontenstrasse 51, 9108 Gontenbad/AI

«Ah schau, der Fruchtsalbei. Der hat nach den kalten Tagen gerade eine Krise und lässt die Blätter hängen. Wir warten mal ab und hoffen, dass er es doch nochmals schafft, weiter auszutreiben.» Petra Dörig sitzt inmitten des Kräuterfelds, das bald wieder zu klein sein wird für die stetig wachsende Auftragslage. Warten, geduldig sein mit der Natur, das ist hier oben auf 900 m ü. M. mit Blick auf den majestätischen Alpstein die halbe Miete. Aber in Petras Augen ist das nur konsequent: «Wir glauben an ein grosses Miteinander. Das gilt besonders für die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Biologisch zu produzieren, ist für uns deshalb der einzig richtige Weg. Und der braucht eben seine Zeit.» Dieser Gedanke geht so weit, dass sie gänzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichten – auch wenn es diese Mittel bereits in Bioqualität gibt. Viel wichtiger ist der Faktor Mensch. «Jedes Kraut, das wir verkaufen, wurde von uns von Hand gepflegt, geschnitten, getrocknet.»

Bei mittlerweile über 35 verschiedenen Kräutersorten bedeutet das jede Menge Handarbeit. Da blüht die Rosamunde, dort reckt das Olivenkraut seine filigranen Blättchen der Sonne entgegen, daneben wuchert die Zitronenmelisse. Dass das Geschäft ähnlich organisch wachsen würde wie die angepflanzten Produkte, war anfangs nicht garantiert. Denn während ihr Mann Maurus gelernter Landschaftsgärtner ist, musste sich Petra das Wissen um Pflanzenarten und Wirkstoffe erst erarbeiten. Und ist damit noch lange nicht fertig. «Immer wieder entdecke ich für mich unbekannte Pflanzenarten und starte kleine Pilotprojekte mit ihnen. Aktuell etwa mit den spannenden Prickelknöpfen, die im Mund erst scharf, dann abwechselnd süss, sauer und salzig schmecken.» Der Vielfalt scheinen sich Dörigs auch im sozialen Umgang verschrieben zu haben. Seit Mai 2017 haben Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen die Möglichkeit, in Kleinstgruppen auf den Kräuterfeldern und im Betrieb mitzuhelfen. Dasselbe gilt für Jugendliche mit schwierigem Lebenslauf. «Wir geben diesen Menschen klare Tagesstrukturen und das Gefühl, gebraucht zu werden. Der gegenseitige Respekt füreinander und für die Natur steht im Vordergrund.»

Doch was geschieht mit Dörigs handgeernteten Bio-Kräutern eigentlich? Sie werden Teil von Sagen und Mythen. Genauer gesagt, Teil von Geheimrezepten, die es hier im Appenzellerland zuhauf zu geben scheint: Nicht nur dem bekanntesten Käse der Region verleihen sie unaussprechlich guten Geschmack, auch der Appenzeller Alpenbitter kann nicht ohne sie. «Für unseren Alpenbitter verwenden wir 42 Kräuter und Gewürze », erzählt Geschäftsführer Stefan Maegli. «Die gedeihen zwar nicht alle in der Schweiz – den Bedarf an Minze, Melisse, Bohnenkraut, Majoran und Lavendel können wir aber zu eingem guten Teil aus der Region decken, wenn die Ernte stimmt.» Sagt er und öffnet die streng geheime Kräuterkammer. Nur wenige haben den Schlüssel zu dieser Sicherheitstüre – und nur zwei kennen das Rezept für den traditionsreichen Bitter, der seit 1902 nach gleichem Rezept hergestellt wird. «Das sind unsere Kräuterpäpste. Ein bis zwei Mal pro Monat schliesst sich einer von ihnen hier ein, um die Kräuter von Hand zu mischen.» Dann heisst es wieder einmal Geduld haben, denn um die Essenzen von 42 Kräutern zu gewinnen, braucht es Zeit. «Gerade beim Enzian, den wir aus Frankreich beziehen, dauert es bis zu einem halben Jahr, um alle Farbund Bitterstoffe aus den Wurzeln zu lösen.»

Sogar noch länger wartet man in der Quelle Gontenbad auf den wichtigsten Rohstoff. Das Mineralwasser der Marke GOBA ist schliesslich mehr als 25 Jahre zwischen Felsgestein unterwegs, bis es hier an die Oberfläche tritt. Bereits 1930 wurden hier Mineralwasser und Limonaden abgefüllt, mittlerweile hat der Betrieb eine kunterbunte Produktpalette vorzuweisen, die von Appenzell aus die ganze Schweiz begeistert. Auch die GOBA verwendet Dörigs Bio-Kräuter, etwa beim erfrischenden Flauder Minz. «Die besten Zutaten wachsen bei uns ums Eck. So halten wir auch die Transportwege klein und die Wertschöpfung bleibt in der Region», erklärt Roman Zillig, Leiter von Verkauf und Marketing. Wie sehr sich diese Denkweise auszahlt, zeigt die Bilanz: 19 Millionen Flaschen Mineralwasser mit und ohne Geschmack füllt die Quelle Gontenbad jährlich ab, gerade befindet sich das Unternehmen mitten im grössten Um- und Neubau seiner Geschichte, zwei nagelneue Mineralwassertanks sind bereits in Betrieb.

Es ist eindeutig: Auch die Zukunft gehört dem Genuss aus dem Appenzellerland – dank traditionellem Handwerk, althergebrachtem Kräuterwissen und viel Geduld.

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