Die Food-Designerin Alexandra Koch blickt mit kritischer Neugier auf die Ernährungsgewohnheiten in der Schweiz. Ohne moralischen Zeigefinger erklärt sie in diversen Blogs und in diesem SPAR Kundenmagazin, wie sich aktuelle Ernährungsgewohnheiten, Zeitmangel und Nachhaltigkeit in Einklang bringen lassen.

Kochen ist hip und trendy! Wer mag, kann sich in unzähligen TV-Kochshows den Mund wässrig schauen. Alexandra Koch hingegen interessiert sich vor allem für den Umgang und die Wertschätzung von Lebensmitteln. «Wieso essen wir so, wie wir jetzt essen, und welche Food-Trends zeichnen sich in näherer Zukunft ab?», sind Fragen, mit denen sich die Absolventin der Zürcher Hochschule der Künste intensiv beschäftigt.

Das Verhältnis zur Natur zeigt Kratzer.

Trotz des vorwiegend ländlichen Charakters der Schweiz und der Nähe zum nächsten Bauernhof verlieren immer mehr Menschen die Verbindung zur Natur. «Wir kaufen verpacktes Fleisch und exotische Früchte, setzen auf Superfoods aus Übersee anstatt auf heimische Lebensmittel, freuen uns über billigen Kaffee – wissen aber nicht, wie es um die Kaffeebauern steht», fasst Koch das aktuelle Konsumentenverhalten zusammen. «Natürlich hat in den letzten Jahren ein Umdenken begonnen – in der Breite ist aber noch kein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln zu erkennen», ergänzt Koch beim Gedanken an die überbordende Verpackungsflut.

Die Krux liegt im hektischen Alltag.

Selbst gut organisierten Menschen fehlt die Zeit, um neben Job, Familie, Sport und Social- Media-Aktivitäten auch noch stundenlang in der Küche zu werkeln. Koch nutzt deshalb ihr Wissen über die Herkunft und Verarbeitung von Lebensmitteln, um engagierten Menschen wertvolle Tipps und Tricks zu geben. Den Fokus legt sie auf alltagstaugliches Kochen mit wenigen, dafür aber frischen, saisonalen und regionalen Produkten.

Fast Food kann gesund und nachhaltig sein.

Der Begriff «Fast Food» stammt aus den 90er-Jahren und wird oft noch mit Imbissbuden assoziiert, die Tiefgefrorenes frittieren. Das hat sich mittlerweile geändert. Viele Streetfood- Anbieter nutzen natürliche, vollwertige und saisonale Lebensmittel. «Dieser Wandel greift auch in der heimischen Küche, wie selbstgemachte Pommes im Backofen und viele meiner Rezepte zeigen», merkt Koch an. Darüber hinaus hat die Food-Designerin weitere spannende Ernährungstrends ausgemacht.

Regionale Superfoods sind hoch im Kurs.

«Die eisenhaltigen Randen zeigen, dass Superfoods auch regional produziert werden und dabei nicht teuer sein müssen. Ein weiterer Star ist das Sauerkraut, dessen Vitamine und Milchsäure die Abwehr stärken», stellt Koch fest. In die gleiche Kategorie gehören die Hagebutte mit ihrem hohen Vitamin-C-Gehalt und der heimische Honig mit über 200 gesunden Inhaltsstoffen.

Das Verwerten von Lebensmitteln eröffnet ungeahnte Möglichkeiten.

Wer kritisch in den Kühlschrank blickt, muss bisweilen erkennen, dass einiges zu verderben droht. Jetzt heisst es kreativ werden und aus den Vorräten etwas Leckeres zubereiten. «Wenn ich merke, dass wir zu viel Frischwaren in unserem 2er-Haushalt horten, dann lade ich kurzerhand Freunde zum Nachtessen ein», resümiert die häufige Gastgeberin. Und wirklich – mit etwas Mut zur Improvisation lassen sich aus den vorhandenen Lebensmitteln im Nu leckere Gerichte zaubern.

Alexandra Koch, Jahrgang 1992, hat Design in der Vertiefung Trends & Identity an der Zürcher Hochschule der Künste studiert und sich dabei mit der Ernährungssituation in der Schweiz beschäftigt. Mittlerweile ist sie im OpenAir St. Gallen-Team für Marketing, Kommunikation und Nachhaltigkeit zuständig. Zudem begeistert sie sich fürs Fermentieren sowie für koreanisches Kimchi. Auf ihren diversen Blogs kämpft sie u. a. gegen den Foodwaste im Haushalt an.

Fermentation

Beim Fermentieren werden Lebensmittel mit einer Salzschicht sowie sogenannten Starterkulturen versehen und in ein abgedecktes Gefäss gegeben. Auf diese Weise entsteht ein Milieu, in dem sich Milchsäure bildet. Das luftdicht verschlossene Gemüse gärt dann mindestens 7 Tage an einem dunklen, warmen Ort. Fermentierte Lebensmittel wie Chinakohl, Tomaten und Bohnen sind danach ohne Kühlung mehrere Monate haltbar.

Kimchi

Kimchi ist das koreanische Pendant zum Sauerkraut und immaterielles UNESCO Kulturerbe. Letzteres deshalb, weil Kimchi in Korea einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert besitzt. Mädchen werden dort in die sozialen Bünde der Familie integriert, wenn sie mit ihren Müttern, Tanten und Grossmüttern Kimchi zubereiten.

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