Zwei Juwelen aus Bordeaux

Château Les Carmes Haut-Brion und Château Troplong Mondot verkörpern das moderne, dynamische Bordeaux, das einerseits auf Eleganz, Finesse und Zeitgeist setzt und andererseits die Tradition und das Erbe seiner Herkunft nicht vergessen hat. Auch wenn die beiden jeweils aus den zwei unterschiedlichen Regionen stammen - linkes Ufer und rechtes Ufer, eines eher klein und das andere eher gross ist, sind sie doch ein komplementäres Duo.
Text: Chandra Kurt

Bordeaux­-Weine bringen mich immer wieder dazu, zu träumen und gedanklich in die Vergangenheit zu reisen. Keine Weinregion hat die Weinwelt so geprägt wie Bordeaux und nirgends ist das Besuchen der historischen Châteaus eindrücklicher als hier. Auch wenn die Kellereien inzwischen alle modern und technisch ausgestattet sind, schwebt doch in den Räumen der Schlösser das Erbe vergangener Tage und französischer Geschichte. So wie etwa in Château Les Carmes Haut­-Brion und Château Troplong Mondot - zwei Vorzeigeweingüter mit ganz unterschiedlicher Lage. Bordeaux wird von den Flüssen Gironde, Garonne und Dordogne durchquert und primär in folgende Hauptregionen unterteilt: linkes Ufer (Cabernet Sauvignon ist hier die dominante Rebsorte), rechtes Ufer (wo vorallem Merlot angebaut wird) und Graves. Château Les Carmes Haut­-Brion befindet sich in Pessac-Léognan im linken Ufer und Château Troplong Mondot in Saint­-Émilion im rechten Ufer.

Auch wenn diese Flüsse zwischen den beiden liegen und ein Pessac-­Léognan meist etwas anders schmeckt als ein Saint-­Émilion, sind sie punkto Stilistik näher, als man es eigentlich denken würde vor allem seit dem 2018er ­Jahrgang. Persönlich konnte ich dies beim kürzlichen Besuch von Guillaume Pouthier, dem Direktor von Château Les Carmes Haut­-Brion, entdecken. Wir verkosteten zusammen mit SPAR Weinchef Thomas Dürlewanger zehn Jahrgänge der beiden Châteaus und liessen uns von der bewegten Geschichte von Les Carmes Haut­-Brion erzählen.

«Wir sind die Nachbarn von Château Haut­-Brion und La Mission Haut­-Brion und befinden uns in der Stadt Bordeaux. Wir sind also eine urbane Winery. Während eines Teils des 16. Jahrhunderts hatten wir denselben Besitzer, Jean de Pontac. Er schenkte 1584 dem Karmelitenorden mehrere Hektar Wiesen und Weinreben», erklärt Guillaume, der zuvor bei Chapoutier in der Rhône arbeitete, und ergänzt, «interessant daran ist, dass sich der Name des Ordens vom ‹Berg Karmel› also ‹Gottes Weinberg› ableitet  was will man mehr!»

Die Nonnen kümmerten sich fast zwei Jahrhunderte lang um das Land und die Weinberge und bildetet den Grundstein der Geschichte von Château Les Carmes Haut­-Brion. Heute werden auf dem eher kleinen, ummauerten Anwesen auf fünf Hektaren Reben kultiviert. Interessant ist weiter, dass der Sortenspiegel auffallend anders als sonst in der Region ist Cabernet Sauvignon wird eher wenig bewirtschaftet (10 %), dafür umso mehr Merlot (50 %) und Cabernet Franc (40 %), der hier besonders viele Finessen offenbart. In Bordeaux ist die Sorte sehr wichtig, war aber in der Vergangenheit selten dominant, was sich angesichts von Global Warming in Zukunft verändern kann. «Cabernet Franc ist einfach anzubauen, aber schwer gut anzubauen. Mit optimalen Trauben lassen sich strukturiertere und langlebigere Weine hervorbringen», betont Guillaume. Seit 2010 ist Les Carmes Haut-­Brion im Besitz von Patrice Pichet, der das Anwesen ins 21. Jahrhundert geführt hat geholfen hat ihm dabei kein geringerer als der visionäre Architekt Philippe Starck. So meint Guillaume: «Es war nicht einfach hier eine neue Kellerei zu bauen. Wir wollten keine Reben ausreissen und der kleine Park des Anwesens stand unter Denkmalschutz und durfte nicht bebaut werden. Der einzige verfügbare Platz war der Fluss Peugue, der den Weinberg durchquerte. Die Lösung hat Philippe Starck gefunden. Er schuf eine kleine Insel und baute darauf und darunter das Weingut.» Verständlich daher, dass der Bau einem aus Aluminiumplatten gebauten Schiffsbug ähnelt, über den der Star­-Architekt philosophiert: «Der Wein ist ein Zauber. Sein Zuhause musste evokativ sein, ein Minimum, eine Intuition, eine Reflexion. Das Wunder von Château Les Carmes Haut-­Brion hat diese Beständigkeit verdient.»

Und die Weine? Sie sind von einer unglaublichen Eleganz, Textur und auch Opulenz, aber einer Opulenz, die von Frische und Saftigkeit getragen wird und nicht von süssem Schmelz. Ganz zu schweigen von den Tanninen, die fein, geschliffen und seidig zart diesem zeitlosen Bordeaux das nötige Gerüst für eine Lebensdauer von mehreren Generationen verleihen. Jährlich werden nur gerade einmal 35’000 Flaschen vom Les Carmes Haut­-Brion produziert und es ist nicht immer ganz einfach, ein paar Flaschen davon zu ergattern. Persönlich habe ich hier ein kleines Juwel entdeckt, dessen Weine ich mir sehr gerne in den Keller legen werde

Château Les Carmes Haut-Brion

Produzent
Chateau Les Carmes Haut-Brion

Traubensorte(n)
37 % Cabernet Franc 34 % Cabernet Sauvignon 29 % Merlot

Beschreibung
Der Wein zeigt eine elegante Frucht von Kirschen, dazu Veilchen und einen Hauch von feinem Rauch. Im Gaumen mineralisch lang mit reifem Tannin und einem guten Schuss Salzigkeit. Der Wermutstropfen – es gibt einfach viel zu wenig Flaschen von diesem Wein.

Etwas mehr Flaschen füllt Chateau Troplong Mondot ab. Das Chateau bewirtschaftet ganze 33 ha und gilt als grosses Anwesen, da die meisten Anwesen in Saint­-Émilion normalerweise nicht grösser als 10 ha sind. Das Weinbaugebiet Saint-Émilion und die gleichnamige Stadt liegen im Osten der Region Bordeaux am rechten Ufer des Flusses Dordogne und gehören bereits seit 1999 zum UNESCO-­Kulturerbe. Wein wurde hier schon zur Zeit der römischen Herrschaft angebaut und ist dann auch hier über die Jahrhunderte dank den Mönchen weiterkultiviert worden. Im Mittelalter wurden die Grundsteine für dieses Weingebiet gelegt, das auch heute noch weltweit als önologisches und kommerzielles Vorbild für zahlreiche Winzer und Weinproduzenten gilt.

Troplong Mondot liegt auf der Spitze eines Hügels und dominiert die umliegende Landschaft: den sanften Südwesthang mit Blick auf das Dorf Saint-Émilion und den steilen Südhang, der sich bis zum Chateau Pavie erstreckt. Der Weinberg profitiert von einer optimalen Sonneneinstrahlung und einer perfekten natürlichen Entwässerung. Die Reben haben ein Durchschnittsalter von rund dreissig Jahren und gedeihen auf einem kalkhaltigen Lehmboden, der mit sedimentären Feuerstein- und Kreidefragmenten angereichert ist.

Château Troplong Mondot

Produzent
Chateau Troplong Mondot

Traubensorte(n)
85 % Merlot 13 % Cabernet Sauvignon 2 % Cabernet Franc

Beschreibung
Dieser Wein offenbart ein Füllhorn von Früchten in der Nase und dann einen unglaublich dichten und komplexen Geschmack im Mund – und schmeckt dabei immer äusserst elegant. Ein grossartiger Wein, den sich alle Bordeaux-Liebhaber in den Keller legen sollten.

Chateau Troplong Mondot hat eine lange und bewegte Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Damals war das, was wir heute als Troplong Mondot kennen, Eigentum von Abbe Raymond de Seze. Es war de Seze, der das schöne Schloss 1745 schuf, das bis heute erhalten ist. Erst hundert Jahre später erworben die eigentlichen Namensgeber das Château. Inzwischen gehört das Gut der französischen Versicherungsgesellschaft SCOR und wird von Aymeric de Gironde geführt, der den Stil des Weins komplett verändert hat und die Frische und aromatische Präzision anstrebt.

Auch wenn der Rebsortenspiegel auf Troplong Mondot aus 90 % Merlot und etwas Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon besteht, schmecken die Weine seit dem 2017er­ Jahrgang viel frischer, blumiger, feinwürziger und deutlich weniger konzentriert und voluminös. Sie haben eine noble Raffinesse und regen ähnlich wie die von Château Les Carmes Haut­-Brion zum Trinken an. Beide Weine verkörpern den klassischen, kühlen Stil, der glücklicherweise wieder populärer wird. Beide Weine sind im wahrsten Sinne des Wortes önologischer Ausdruck der «Leichtigkeit des Seins». Es sind Weine, die einen einfachen Zugang haben, dem Moment das gewisse Etwas verleihen und die man nicht mehr vergessen wird, weil man sich bei ihrem Genuss so wohl gefühlt hat, da die aromatische Komplexität mit jedem Schluck für neue sensorische Überraschungen sorgt.

Und so meint Guillaume Pouthier abschliessend: «Am Ende zeigt unser gesamtes Anwesen den Charakter unseres Weines der Keller offenbart, dass wir keine Angst vor der Zukunft haben, und das Schloss und seine vollkommen traditionelle Renovierung, dass wir auch die lange Tradition von Bordeaux und seiner Weinkultur zelebrieren.» 

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